Rückblick auf die Arbeit
mit dem infans-Konzept

Ein Interview mit Andrea Brämer

ehemalige Mitarbeiterin im Leitungsteam der Städtischen Kita
„Taka-Tuka-Land“ in Freiburg

Interviewerin: Karin Ehinger-Dossow
ehemalige Fachberatung der Städtischen Kitas Freiburg,
Zertifizierte infans-Multiplikatorin, Mitglied im infans-StEG e.V.

Liebe Andrea, nun hast Du Deine Tätigkeit in der Kita beendet und kannst am Beginn Deiner Rentenzeit auf eine lange und erfolgreiche Leitungstätigkeit im Leitungsteam gemeinsam mit dem Leiter Michael Domonell zurückblicken. Du warst in dieser Zeit immer besonders für die Umsetzung des infans-Konzepts zuständig und deshalb möchte ich Dich gerne nach Deinen und Euren wertvollen Erfahrungen fragen.

Was ist das Besondere am Kinderhaus Taka-Tuka-Land?

Im Kinderhaus wurde in allen Gruppen bis 2023 die große Altersmischung von 1 – 10 Jahren mit 130 Kindern im Offenen Konzept umgesetzt.

Laut Gemeinderatsbeschluss wurden die Betreuung der Hortkinder an die Grundschulen verlegt. Daher wird nun mit der Altersmischung von 1 – 6 Jahren gearbeitet.

Welches Konzept hat Eure Arbeit zu Beginn bestimmt und wann habt Ihr begonnen, mit dem infans-Konzept der Frühpädagogik zu arbeiten?

Wir haben ab 1998 mit Professor Erath aus Eichstett zusammengearbeitet, der mit unserem Team ein Qualitätsmanagementsystem erarbeitet hat.

Als die Führungsebene und die Leitungen der Städtischen Kitas in Freiburg sich 2005 für die Umsetzung des infans-Konzepts entschieden haben, haben wir zuerst noch beide Konzepte beibehalten und erst nach und nach unser QM- System ersetzt und das infans-Konzept mehr und mehr in unseren pädagogischen Blick gerückt. Wir sind durch die Begleitung unseres damaligen Fachberaters Michael Wünsche und mit einer Fortbildung zur Beobachtung und Fachlichen Reflexion eingestiegen und haben nach und nach die weiteren Instrumente eingeführt. Bei den Bevorzugten Tätigkeiten und den Bevorzugten Beziehungen haben wir uns geübt, immer konkreter zu benennen, was bei den Kindern passiert. Zum Beispiel: Andrea spielt gerne mit Karin – ist ein Satz, der nicht viel aussagt. Wenn aber stattdessen formuliert wird, Andrea spielt immer gerne die Mutter und organisiert ihren Alltag, Karin spielt das Kind, kann man viel deutlicher erkennen, worum es im Spiel geht, wer welche Rollen einnimmt und wie sie ausgefüllt werden.

Wie habt Ihr Eure Zusammenarbeit im Team rund um das infans-Konzept organisiert?

Von Anfang an haben wir, Leitung, Stellvertretung und Qualitätsbeauftragte, als Trio gearbeitet. Wir haben die infans-Schritte in das Team eingeführt und haben den Einsatz der infans-Instrumente zusammen in den Teamsitzungen erarbeitet. Wir wurden dabei durch die Leiterin der Kita Rieselfeld (Modelleinrichtung im Projekt „Bildungsstätte Kindertageseinrichtung“ mit infans e.V.), spätere infans-Multiplikatorin, beraten und begleitet. Sie war Ansprechpartnerin für unsere Fragen und hat sich immer Zeit genommen, diese mit uns zu bearbeiten und zu klären, so dass wir die Ansätze und Lösungen wieder in das Team zurücktransportieren konnten. Die positive Haltung von unserem Trio, unserem Team und unseren Eltern gegenüber dem noch neuen Konzept war sehr hilfreich für eine gelingende Umsetzung.

Welche Rolle spielte das infans-Konzept für Eure Zusammenarbeit im Team, mit den Kindern, mit den Eltern?

Vor jedem Elterngespräch fanden gegenseitige Rückmeldungen im Team zu einzelnen Kindern, eine gründliche Vorbereitung durch die jeweilige Bezugsfachkraft und ein Gespräch mit einem von uns aus dem Leitungsteam statt.

Mit den infans-Instrumenten konnten wir den Eltern aufzeigen, was die Kinder in ihrem Alltag bei uns erleben. Das Portfolio war die Grundlage für jedes Elterngespräch. Die Rückmeldungen der Eltern hierzu waren durchgängig positiv, weil sie durch die verschiedenen Instrumente ihr Kind oft auch mit anderen Augen gesehen haben. Sie schätzten es sehr, gerade weil wir eine Ganztageseinrichtung sind, mehr über ihr Kind und sein Tun, seine Beziehungen, seine Bildungsbemühungen und Entwicklung in der Einrichtung zu erfahren. Später haben wir Teile der Elterngespräche mit den Kindern ab fünf Jahren mit einem Fragebogen vorbereitet und die Kinder zu Teilen des Elterngespräches einbezogen. Die Eltern sollten dann die Fragen, die ihr Kind schon beantwortet hatte, ebenfalls beantworten. So entstanden leicht Gespräche und gute Zugänge zu den Themen der Kinder. Schon mit fünfjährigen Kindern und dann auch mit den Schulkindern konnten wir Ziele formulieren, die wir dann gemeinsam erreichen wollten.

Welche Bedeutung hat das infans-Konzept aus Deiner Sicht als Führungsinstrument und wo lagen für Dich die Herausforderungen?

Ich glaube es ist sehr wichtig, zum Konzept zu stehen und zu erkennen, wie wichtig es ist, nach einem Konzept zu arbeiten, auch um den Stellenwert unseres Berufes sichtbar zu machen. Das bedeutet für die Führungskräfte, verbindliche Strukturen zu schaffen, z.B. dass es genügend Vorbereitungszeit für die Fachkräfte gibt, dass es dafür Räume gibt, in denen sie ruhig arbeiten können, dass die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, oder auch die Möglichkeit besteht, im Homeoffice an den Portfolios zu arbeiten.

Und manchmal muss man das Konzept auch an die Einrichtung anpassen. So haben wir zum Beispiel in der Zeit, als die Kita saniert wurde und wir umziehen mussten, die Aufgaben von zwei Monaten zusammengefasst und besonders auf die Engagiertheit der Kinder bei den Beobachtungen geachtet.

Wie erleben Fachkräfte in der Einrichtung die Arbeit mit dem infans-Konzept aus Deiner Sicht?

Wir erleben, dass Mitarbeitende unterschiedliche Zugänge haben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das bedeutet, wir überlegen was braucht eine Fachkraft, wie kann sie ihre Arbeit gut machen, aber auch bis wann diese beendet sein soll. Zweimal im Jahr, schaut sich eine/r aus dem Trio die Portfolios jeder Fachkraft an und prüft, ob sie auf dem aktuellen Stand sind und gibt im Gespräch fachliche Rückmeldungen dazu. Dadurch bekommen die Fachkräfte ein Feedback und fühlen sich gesehen und wertgeschätzt. Das infans-Konzept trägt aus meiner Sicht dazu bei, dass Fachkräfte sich als gute Fachkräfte erleben.

Welchen Mehrwert siehst Du im Rückblick in der Arbeit mit dem infans-Konzept?                                        

Für mich, für unser Team, für unser Haus, war und ist das infans-Konzept die Grundlage, das Mädchen, den Jungen mit ihren/seinen Fähigkeiten zu sehen, mit ihrer/seiner Kreativität und Lust. Gleichzeitig ermöglicht das Konzept, zu erkennen, wo das jeweilige Kind noch Mut braucht, sich an Dinge heranzutrauen und wo ich als Fachkraft Verbindungen von Fähigkeiten und geeigneter Unterstützung schaffen kann.

Es ist bekannt, dass Lehrer:innen der benachbarten Grundschule rückmelden, dass Kinder aus Eurer Einrichtung besonders gut vorbereitet und ausgestattet in der Schule ankommen.  Was ist es, was die Kinder in der Zeit im Kinderhaus in ihren „Rucksack“ packen konnten?

Im Kinderhaus Taka-Tuka-Land sehen wir das Leben in der Gruppe als einen wichtigen Bestandteil unserer Arbeit. Hier lernen die Mädchen und Jungen, sich einzuordnen, sich zu präsentieren, sich zurückzunehmen, hilfsbereit zu sein und Teil einer Gruppe zu sein. Das alles sehen wir als wichtige Voraussetzung für ein aktives Leben in unserer Gesellschaft. Einmal pro Woche arbeiten wir mit den Kindern in altershomogenen Gruppen, die alle nach einem Konzept für ein Jahr arbeiten. Für die Schulanfänger*innen, die bei uns Delfine heißen, bieten wir im letzten Jahr im Kinderhaus Projekte an. Bei den regelmäßigen Projektgruppentreffen wird die Selbstständigkeit und das Vertrauen in sich selbst und in die Gruppe gestärkt. Der Abschluss des Projektes mündet in eine Veranstaltung, bei der alle Eltern anwesend sind und sich die Kinder mit ihren erarbeiteten Vorstellungen präsentieren. Dabei gibt es immer verschiedene Rollen für die sich die Kinder entscheiden können, z. B. Bühnenbildner*innen, Sänger*innen, Musiker*innen, Schauspieler*innen.

Zusammen mit dem infans-Konzept ist dies eine wunderbare Verbindung, um einen gut gepackten Rucksack für den Übergang in die Schule zu haben.

Was wäre Dir wichtig, interessierten Leitungen und Fachkräften zur Umsetzung des infans-Konzeptes mitzuteilen? Was war Dein Erfolgsrezept?

In erster Linie eine positive Haltung, mich selbst gut mit infans auszukennen und zu wissen, wie welche Instrumente genutzt werden können und wie alles zusammenhängt. Ebenso wichtig ist es, einen Rahmen für das Team vorzugeben, an dem sich die Fachkräfte orientieren und die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren, zu erfahren, wo die eigenen Grenzen sind und wo die Zusammenarbeit im Team alle weiterbringt.

Welche Unterstützung war für Dich in Deiner Wirkungszeit hilfreich?

Für mich war die Möglichkeit, mich immer wieder über das infans-Konzept auszutauschen sehr wichtig. Ich hatte das Glück von Anfang an, mit unserer Nachbareinrichtung, der Kita Rieselfeld, immer im Austausch zu sein. 

Aber noch hilfreicher war es für mich, mich mit Michael Domonell zu besprechen und dass wir uns gegenseitig Fragen gestellt und uns mit den Prozessen in der Kita auseinandergesetzt haben. Die Arbeit im Leitungsteam und Trio war unglaublich bereichernd, dadurch konnten wir unser Team sehr gut mitnehmen.

Wenn Du an die Zeit der Arbeit in der Kita mit dem infans-Konzept zurückdenkst, was lässt Dein Herz höherschlagen?

Der rote Faden, der bei den einzelnen Kindern so sichtbar wird, das ist einfach wunderbar!

Vielen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit und die Beantwortung der Fragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner